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HEIMATLIEDER Peter Ludes † (Hornist & Komponist) geb. Wormersdorf, liebte die Sagen und die Musik der Tomburg.

Der Autodidakt hat selbst in Köln Heimweh nach dem Rheinbacher Örtchen

Von Marion Stuke                        Fotos Henry

RHEINBACH-WORMERSDORF.

Er hat Jimmy Carter die Hand geschüttelt, Mubarak und Südseekönigen, aber Wormersdorf fasziniert ihn mehr als die weite Welt. Mit seiner Frau Marianne lebt er seit Jahrzehnten in Köln, doch die Tomburg scheint Ihm noch immer ansehnlicher als der Dom. Vielleicht waren es seine zehn Jahre Uniform, seine Zeit in russischer Gefangenschaft, die Peter Ludes Heimatliebe so gedeihen ließen. Das Heimweh treibt ihn regelmäßig zurück nach Wormersdorf. Sein Elternhaus steht in der Klostergasse. Was ihm an seiner Heimat so gefällt? „Hier ist mehr los als in unserer Nachbarschaft in der großen Stadt.“ Peter Ludes Leidenschaft ist das, was man Heimatlieder nennt. Heimatlieder im besten Sinne des Wortes, rührend und authentisch. Ludes ist Komponist, ein Autodidakt, der es u hoher Proffessionalität und Musik von der Tomburg und dem Waldkapellchen“ erschienen, eine Kassette mit zum Teil lyrisch-besinnlichen, zum Teil fröhlichen Stücken, die sich um die Tomburg, die Waldkapelle, Rheinbach und sein Umland drehen. Sie tragen Titel, wie „Perle der Heimat“ oder „Wormersdorf du hast das gewisse Etwas“. Zwischen den Kompositionen, die von WDR-Musikern und von Ludes Quartett eingespielt wurden, liest der aus Rheinbach stammende Schauspieler Leopold Reinekke, bekannt aus WDR-Produktionen, Geschichten wie „Die Entstehung des Tombergs“ oder „der Tomburggeist“. Mit dem Rheinischen Waldhornquartett gelangte Gründungsmitglied Peter Ludes zu einiger Berühmtheit. Bis zu seinem Ruhestand blies er das Horn im Kölner Rundfunkorchester des WDR und machte sich als Solo-Hornist, als Komponist und mit diversen Schallplattenaufnahmen einen Namen. Im Brühler Schloss musizierte er mit seinem Quartett vor einem beeindruckten US-Präsidenten Jimmy Carter, trat in „Musik ist Trumpf“ und der der „Drehscheibe“auf, spielte bei Schallplattenaufnahmen mit so bekannten Musiker wie Paul Kuhn oder Helmut Zacharias die Hornpassagen.

Seit gut 20 Jahren ist er Ruheständler. „Aber was heißt das schon – einen Musiker kann man nicht pensionieren. „Noch immer sitzt der 82-Jahrige Tag für Tag am Klavier: „Mir fällt so viel ein.“ Er vertont Texte von Goethe, Eichendorff, Wilhelm Busch – und pflegt das volkstümliche Liedgut, auf hohem Niveau. Alles begann mit Hausmusik im Familienkreis. „Und unser Friseur blies dazu Posaune.“ Sieben oder acht Jahre alt war Ludes, als er Geigenunterricht bei einem Dorfbewohner nahm. Flugs erkannte die Verwandtschaft das Talent des kleinen Peter. Ein Kölner Onkel schaltete sich ein, der ihn bei der Rheinischen Musikschule anmeldete. Selbiger Onkel nahm für ihn Kontakt mit dem Gürzenich-Orchester auf. Es folgte ein Studium an der Musikhochschule: Waldhorn, Geige und Klavier. Nichts stand der Musikkarriere im Wege – nur der Krieg. Arbeitsdienst, Wehrmacht, Flag und schließlich Gefangenschaft in der Ukraine. Ludes lernte dank seines guten Ohrs schnell Russisch, arbeitete mit russischen Kollaborateuren zusammen und gründete sogar einen Gefangenen-Chor.

Zu Hause wartete das Waldhorn. 1948 kehrte Ludes nach Wormersdorf zurück. Im Nachkriegsdeutschland waren da die meisten Orchesterplätze für Hornisten schon wieder besetzt. Ludes hatte Glück und bekam einen im WDR-Rundfunkorchester. „Nach der Gefangenschaft  und all den Albträumen habe ich das Musikmachen so genossen, als säße ich selbst im Publikum.“ Wenig später gründete Ludes zusammen mit Karl Leppschies das Rheinische Waldhornquartett. Standardwerke gehörten ebenso zum Repertoire wie selbst komponierte  Avantgarde-Musik. Das Quartett gibt es nicht mehr. Peter Ludes macht jetzt allein Musik – und auf seine kleine Tomburg-Kassette, die in einem Kölner Studio produziert wurde und die Ludes selbst finanziert hat, ist er sehr stolz: „Ich bin so glücklich, dass ich das zustande gebracht habe.“

Stolz ist er auch auf seine selbst geschriebenen Texte. „Das sind keine leeren Phrasen, ich empfinde all das wirklich.“ Für Ludes gibt es nichts Schöneres als einen Spaziergang zum Waldkapellchen – gerne auch mit seiner Frau, die er dann und wann zärtlich „Frau Luders“ nennt – oder sich auf der Bank neben dem Brunnen der Tomburg niederzulassen und über die Wipfel der Bäume hinweg auf Wormersdorf zu blicken. „Meine Lieder sind Repliken an mein eigenes Leben“, sagt Peter Ludes ernst.

Und vielleicht wird er seine Frau eines Tages doch noch überreden können, aus der Domstadt zurück nach Wormersdorf zu ziehen, denn „Heimatland, du bist die Sonne für mein Herz, ich trage dein Bild in mir, überall, im weiten Erdenrund, sind die Gedanken immer bei dir.“